Berufliche Bildung und Beschäftigungsperspektiven in Syrien – Bedarfe, Initiativen und Kooperationsmöglichkeiten mit der Diaspora
Am 7. September 2026 organisierte die Plattform „Neuanfang für Syrien“ gemeinsam mit dem von BMZ, EU und der Schweiz geförderten GIZ-Projekt „Ausbildung und Beschäftigung in Syrien (STEP)“ eine virtuelle Fachveranstaltung zu beruflicher Aus- und Weiterbildung und Beschäftigungsförderung in Syrien.
Die Veranstaltung informierte über 100 interessierte Mitglieder der Plattform über aktuelle Bedarfe und Aktivitäten in Syrien und ermöglichte einen ersten strukturierten Austausch zwischen dem STEP-Vorhaben und relevanten Diaspora-Akteuren. Sie trug darüber hinaus zur Vernetzung von Diaspora-Initiativen und -Unternehmen bei.
In ihren Begrüßungsworten legte Mona Heiß, Syrien-Referentin im BMZ einen Fokus auf die von Staatssekretär Niels Annen geleitete Delegationsreise nach Syrien in Begleitung deutscher Wirtschaftsvertreter*innen Anfang September 2026. Sie hob die positive Energie in den geführten Gesprächen hervor und das Potenzial über Berufsbildungsprojekte eine Brücke zwischen Deutschland und Syrien zu bauen.
Den Rahmen zu Bedarfen und Prioritäten in Syrien setzte Ahmad Ankir, Direktor für Internationale Kooperation im syrischen Ministerium für Wirtschaft und Industrie. Eine zentrale Herausforderung sei die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften, die den tatsächlichen Bedarfe des Arbeitsmarktes in Syrien gerecht werden. So fehle es etwa an Fachkräften in den Bereichen industrielle Instandhaltung, Maschinen- und Anlagenbau, Textiltechnik, Lebensmittelverarbeitung sowie erneuerbare Energien. Die internationalen Partner und die Diaspora seien wichtige Partner der syrischen Regierung um ein Kompetenz- und Qualifizierungsökosystem aufbauen, das praxisnahe und arbeitsmarktrelevante Kompetenzen in Aus- und Weiterbildung vermittelt und nachhaltige Beschäftigungsperspektiven schafft.
Seit März 2026 arbeitet das von Julia Becker geleitetet GIZ-Projekt „Ausbildung und Beschäftigung in Syrien (STEP)“ daran, Beschäftigungsperspektiven junger Menschen in Syrien in Kooperation mit der Privatwirtschaft im Sinne eines friedensfördernden Wiederaufbaus zu verbessern. Julia Becker stellte Aktivitäten und Fokusregionen des Projekts vor. Sie hob Kooperationsmöglichkeiten mit der Diaspora hervor mit Blick auf die Einbindung von Expertise aus Handwerk und Industrie sowie in der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft über eine Matching Grants Facility. Genauere Informationen zu ihrem Input finden Sie in der unter diesem Beitrag verlinkten PowerPoint Präsentation.
Im Anschluss dienten vier Impulse von Mitgliedern der Plattform „Neuanfang für Syrien“ mit Projekten zu beruflicher Bildung, Qualifizierung und Beschäftigungsförderung als Illustration des bereits bestehenden Engagements der Diaspora in dem Bereich:
- Fares Alabbar (Ausbildung ohne Grenzen gUG) ist Tischlermeister und setzt mit seinem gemeinnützigen Unternehmen Aktivitäten zur Stärkung der beruflichen Bildung in Syrien auf. Er betonte das Potenzial, das dem Berufsbildungssystem in Syrien zugrunde liegt und warb dafür Doppelstrukturen vermeiden.
- Zakaria Oulabi (Outatex GmbH) fährt die Aktivitäten seines Unternehmens in Syrien aktuell wieder hoch und plant ein Berufsbildungsangebot. Er betonte in seinem Beitrag, dass ein duales Ausbildungssystem helfen könnte, Überqualifikationen zu vermeiden und den Ausbildungsbedarf besser zu decken.
- Salma Chbib (RAIDAT Frauennetzwerk) baut aktuell ein Mentoring- und Qualifizierungsprogramm für Frauen in Syrien auf, um den Wissenstransfer und digitale Kompetenzen zu stärken. Sie hob hervor, dass es gezielte Angebote brauche, um die Präsenz von Frauen in der syrischen Wirtschaft zu stärken.
- Mohamed Latifa (Syrmania Assembly e.V) hat für den Verein die digitale Vernetzungsplattform „Syrlink“ aufgebaut und stellte vor wie „Syrlink“ perspektivisch Fachkräfte mit Unternehmen und Organisationen verbinden und damit eine wichtige Lücke bei der Beschäftigungsförderung schließen könnte.
In der anschließenden lebhaften Diskussion im Chat und im Plenarraum stellten weitere Teilnehmende ihre Projekte vor oder warben für Kooperation. Es wurden zudem Fragen zu den Rahmenbedingungen für berufliche Bildung in Syrien, der Nachhaltigkeit von Projekten durch die Vermeidung von Doppelstrukturen sowie zu Möglichkeiten für die Vernetzung von syrischen und deutschen Unternehmen beantwortet.
Wie geht es weiter?
Wenn Sie bereits konkrete Pläne haben, in Syrien als Unternehmen in Ausbildungsangebote zu investieren oder sich als ausgebildete Fachkraft in Ausbildung oder Handwerk einbringen wollen, melden Sie sich gerne direkt bei @email.
Wenn Sie nach Kooperationspartnern für ihr Projekt suchen, tragen Sie sich gerne in den Partnerpool der Plattform “Neuanfang für Syrien” ein bzw. suchen Sie nach Organisationen und Personen, die zum gleichen Thema arbeiten: Partnerpool der Plattform "Neuanfang für Syrien" | Plattform Neuanfang Syrien
Weitere Informationen zu kommenden Veranstaltungen im Rahmen der Plattform „Neuanfang für Syrien“ erhalten Sie auf unserer Website, über unseren Newsletter sowie über unsere LinkedIn-Gruppe, zu der wir Sie herzlich einladen beizutreten.
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